DIE PREISTRÄGERINNEN UND PREISTRÄGER
DES OTTO F. SCHARR-KUNSTPREISES 2018
1. Preis der Jury: Barbara Wittmann –
»Da droben auf dem Hügel«
Die versunkene Krone
Da droben auf dem Hügel,
Da steht ein kleines Haus;
Man sieht von seiner Schwelle
Ins schöne Land hinaus.
Dort sitzt ein freier Bauer
Am Abend auf der Bank,
Er dengelt seine Sense
Und singt dem Himmel Dank.
Da drunten in dem Grunde,
Da dämmert längst der Teich.
Es liegt in ihm versunken
Eine Krone, stolz und reich;
Sie läßt zu Nacht wohl spielen
Karfunkel und Saphir;
Sie liegt seit grauen Jahren,
Und niemand sucht nach ihr.
(Ludwig Uhland)
Geheimnisvoll, fast sagenumwoben taucht hier ganz langsam ein herrschaftliches Gebäude vor uns auf. Es steht erhaben, wohl auf einer Anhöhe. So auch der Titel »Dort oben auf dem Hügel«, frei nach Ludwig Uhlands Gedicht »Die versunkene Krone«. Das »kleine« Haus ist umgeben von Bäumen. Es muss Winter sein, denn sie haben bereits ihr Laub verloren. Aus dem unteren Drittel des Bildes steigt Nebel auf. Erst bei weiterem Hinsehen können wir geisterhaft wirkende Figuren erkennen, die am Fuße des Hügels stehen oder spazieren gehen. Mit wenigen schnellen Strichen »zaubert« Barbara Wittmann hier Personen in den dunstigen Grund. Da führt zum Beispiel ein Mann seinen Hund Gassi, ein anderer (ganz links) setzt sich nieder um eine Pause zumachen. Darunter zitiert die Künstlerin die Anfangszeilen von Uhlands Gedicht – ihrer Inspiration für das Gemälde: »Dort droben auf dem Hügel, da steht ein kleines Haus; man sieht von seiner Schwelle ins schöne Land hinaus.«
Mithilfe der Xeroxlithografie ist es Barbara Wittmann gelungen, ein mystisches Landschaftsbild entstehen zu lassen, das im Betrachter den Wunsch aufkommen lässt, diesen verwunschenen Ort einmal selbst besuchen zu können.
Nikki Huiss / Jurorin
2. Preis der Jury: Klaus Fischer –
»Kleine Landschaft«
Auf den ersten Blick haben wir es hier mit einem Raster aus dunklen Rechtecken zu tun. Dazwischen blitzen im oberen Drittel des Bildes immer wieder Wolkenfelder vor strahlend blauem Himmel auf. In den unteren zwei Dritteln des Gemäldes finden sich weitere rechteckige Ausschnitte, in denen wir Felder, Häuser, Straßen ausmachen können. Die meisten Stuttgarter kennen diesen Anblick, wenn sie aus dem Fenster ihres Urlaubsfliegers die Filderhöhe und deren Topografie von Feldern, Wäldern, Straßen und Wohngebietenerhaschen. Mit dem Unterschied, dass wir hier auf dem Gemälde vereinzelt sogar noch Figuren und deren Schatten erkennen können. Klaus Fischer arbeitet häufig mit der Adlerperspektive. Dabei stellt sich gern ein Gefühl von: »die Welt von oben betrachten« ein … wäre da nicht auch die bange Vorahnung von: »die Welt in ein Raster zwängen« oder gar einer Beobachtung von oben … »Big Brother is watching you«?
Nikki Huiss / Jurorin
3. Preis der Jury: Inge Koch – »Stadt, Land, Fluss«
Wie ein Netzwerk feinster Nerven und Adern verzweigen sich Straßen, Flüsse und Grenzlinien miteinander. Mit großer Fleißarbeit hat Inge Koch die Flächen dazwischen herausgeschnitten. Als Grundlage dafür dienten vermutlich Seiten aus einem alten Buch mit Landkarten der geographischen Anstalt von Wagner & Debes, Leipzig. So findet sich beispielsweise ein »beschnittener« Stadtteilplan von München unter den Blättern. Oder wir sehen den Zeller See, dem, wie ein Herz anmutend, in roten und blauen Linien das Blut zu und abgeführt wird.
Passend zum Thema »Stadt-Land-Fluss« hat Inge Koch das Motto des diesjährigen Wettbewerbs zum Titel ihrer Arbeit gewählt. Bietet eine Landkarte doch den Nährboden für mannigfaltige Strukturen, die es, je nach Gusto der Künstlerin, freizulegen gilt. So ergaben sich aus jedem der insgesamt 10 in Plexiglas gerahmten Blätter, wunderbare Flechtwerke aus zarten und zerbrechlichen Linien.
Nikki Huiss / Jurorin
Die Jury:
Karin Abt-Straubinger, Galeristin, AbtART Stuttgart
Nikki Huiss, Kunsthistorikerin M.A., Stuttgart
Klaus-Dieter Schmidt, Maler und Zeichner, freischaffender Künstler, Stuttgart
Die ausstellenden Künsterinnen
und Künstler:
Albrecht, Hans „Werkverzeichnis 48/17“
Becker, Bertold „Berlin“
Bunzel, Regina „Blautopf“
Choma, Uschi „Zwischen den Wasser“
Donn, Ursula „o,T.“
Eckhardt, Christa Maria „Stuttgart-Kultur,- und Chorstadt“
Feil, Birgit „N O T“
Fiedler Thomas „Magische Suppe“
Fischer, KLaus „Kleine Landschaft“
Günther, Elvira „Stutt-Karten“
Gwiasada, Marcus „Stadt-Land-Fluss“
Haußmann, Peter „Stadt mit Q“
Hilsenbek, Peter Otto „Landscape II“
Koch, Ariane „Stadt-Land-Fluss“
Koch, Inge „Stadt-Land-Fluss“
Kraus, Jörg „Mein Platz“
Krebs, Ursula „Tübingen-geträumt“
Lakner, Susanna „Stadtforschung 1-3“
Leonhardt, Uwe „Tour de Ländle“
Leuze, Markus „Seelenlandschaft-Raumlandschaft“
Mager, Ursula „Winter-Impressionen
Markt, Margot „Gipfeltreffen“
MarquardtHarald „Neuordnung“
Richter, Regine „Gemeinsam leben“
Rühle, Birgit „o.T.“
Schattel, Gudrun „Stadtplan-Stadtmitte“
Schill, Marlis G. „Vor der Stadt- das Land- der Fluss“
Schmitz, Manfred „Nil-Felukke“
Schütz, Ingrid “Armissia“
Sigmund, Martin „GF.S“
Unterweger, Manfred „Schöner wohnen“
(Undi +i)
Wittmann, Barbara „Dort oben auf dem Hügel“
Wölz, Scarlett „Fahrtenbilder“
Zgâmbâu-Julei, A „In der Zeit gefangen“
Zirkelbach, H.A. „Landschaft
Preis Publikums für: Christa Maria Eckhardt –
»Stuttgart Kultur- und Chorstadt, Stuttgart-Vaihingen-Kantorei«, Installation, 100-teilig
Preis Publikums für: Marcus Gwiasda –
»Sadt, Land, Fluss«, Mobigrafie
Exponate der Ausstellung
Vernissage
Finissage
Presseberichte: